Die Marktfleckenprivilegien bekam die Stadt 1405 vom König Sigismund. Während der Türkenherrschaft zwischen 1541 und 1686 wurde die Stadt fast völlig zerstört. Der erste zurückgekehrte Erzbischof, Imre Csáky regelte die Wirtschaftsbeziehungen, die den Grund der Entwicklung bildeten. Erzbischof Csáky und seine Nachfolgen gründeten im Laufe des 18. Jahrhundertes eine Presse, Apotheke und Schulen. Es fanden bedeutende kirchliche Bauarbeiten statt. Zu dieser Zeit wurden die meisten der auch noch heute existierenden öffentlichen Gebäude gebaut. Das geistige Leben entwickelte sich bedeutend, eine Sternwarte und neue Schulen wurden gegründet, wo in ganz Ungarn und Europa bekannte Wissenschaftler unterrichteten, aber die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens war im Vergleich zum Ära rückständig.
Auch die erste Hälfte des 20. Jahrhundertes war die Zeit der Stagnierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte auch Kalocsa dasselbe Schicksal, wie die anderen kirchlichen Zentren in Ungarn, sie wurde zurückgesetzt. In den 60er Jahren wurden neben den schon existierenden Lebensmittelverarbeitungsbetrieben neuere Firmen für Leichindustrie gegründet, deren größter Teil die wirthschaftlichen Rezessionen am Anfang der 90er Jahre überlebte. Nach der Wende gab es neben den ungünstigen wirtschaftlichen Änderungen auch bedeutende Entwicklungen in der Infrastruktur. Gasleitungen, Netz der Abwasserkanäle, modernes Telefonzentrale wurden in der Stadt gebaut.
Kalocsa wurde wegen drei Sachen in den vergangenen 1000 Jahren berühmt. Erstens als erzbischöflicher Sitz, dann wegen des seit dem 18. Jh. hier angebauten Paprikas und im 20. Jh. wegen der weltberühmt gewordenen Volkskunst.
Das Erzbistum wurde 1002 von St. Stephan gegründet. Von den 80er Jahren im 11.Jh. wurde sie bis 1993 Erzbistum Kalocsa-Bács genannt, dann änderte sich ihr Name nach der Bulle des Papstes und man nennt sie seitdem Erzbistum Kalocsa-Kecskemét. Im Mittelalter waren die Erzbischöfe von Kalocsa oft königliche Kanzler und Hauptkanzler und auch an der Spitze von Heeren konnte man ihre Namen treffen. Ugrin Csák im Kampf von Muhi, Pál Tomori auf dem Schlachtfeld in Mohács widmeten ihr Leben dem Vaterland. Zur Zeit der türkischen Besetztung existierte praktisch das Erzbistum nicht. Die späteren Erzbischöfe beschäftigten sich statt der Kämpfe eher mit der Unterstützung der Kultur, desUnterrichts und der Wissenschaft. Sie gründeten zahlreiche Schulen und öffentliche Gebäude.
Aus der Bauerkunst der von Kalocsa im Jahre 1898 unabhängig gewordenen kleinen Dörfer (der ehemaligen Einzelhöfe) entwickelte sich am Ende des 19.Jahrhundertes die auch noch heute bekannte, natürliche Pflanzenmotive benutzende Kalocsaner Volkskunst heraus. Ihre charakteristische Farbenwelt ist schon das Ergebnis des Anfangs des 20. Jahrhunderts. Ihre Zeichen sind auf den Holzschnitzereinen, Töpfen, Wandmalereien und Textilien zu finden. Die Wandmalerei und die Stickerei machten Kalocsa und ihre Gegend, das Sárköz weltbekannt.
Das Kalocsaer Sárköz ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts eine der bedeutendsen Paprikaanbaugebiete. Anfangs nur für eigenen Gebrauch, später für das ganze Land, seit Anfang des 20. Jh.'s arbeiten sie auch für Export. Auf der 1917 gegründeten Station für Paprikaexperimente und chemische Analyse (ihr Rechtsnachfolger existiert auch noch heute) beschäftigt man sich (und lässt man beschäftigen) mit der Entwicklung der Anbautechniken und der Herstellung neuer Sorten. Hier wurde am Anfang der 20er Jahre der edelsüße Paprika hergestellt, der die Welt aus Kalocsa eroberte.